Unfallanalyse von Renault | Moditech.com
Mittwoch, 30. Januar 2019
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Unfallanalyse von Renault

Aktuelles von Moditech Rescue Soltutions BV

Zwei Lehrkräfte von Moditech besuchten kürzlich das Techno Center von Renault in Guyancourt (Frankreich). Während eines Kongresses stand dort die Abteilung Unfallanalyse von Renault mit ihrer Arbeitsweise im Mittelpunkt. Auch die dazugehörige Studie QUO VADIS wurde besprochen. In diesem Newsletter teilen wir gerne unsere Erfahrungen mit Ihnen!

Außerdem endet das Apple-Profil für Benutzer unserer App für iOS Geräte. Es ist wichtig, dass Sie die neue Softwareversion unserer App von unserer Website herunterladen.

Mehr zu diesen Themen in unserem Newsletter dieses Monats!

 

HERUNTERLADEN NEUE APP DES CRASH RECOVERY SYSTEM

Im letzten Monat wurde eine neue Version des CRS veröffentlicht. Diese Version enthält einige Verbesserungen gegenüber der alten Version. Diese Version wird auch für die Apple-Plattform benötigt, da das aktuelle 'Provisioning-Profil' von Apple am 22. Februar 2019 endet. Das neue Profil endet am 30. Oktober 2019.

Um die neue App zu verwenden, müssen Sie den Lizenzcode zunächst von der aktuellen Anwendung entfernen. Gehen Sie im Ihre aktuellen Crash Recovery System zu Einstellungen > Lizenzverwaltung und nach dem betreffenden Gerät verknüpften Lizenzcode. Klicken Sie anschließend auf 'Lizenz entfernen'. Sie können die ganze App vom Gerät löschen. Dann können Sie die neue Anwendung des Crash Recovery Systems über diesen Link installieren.

Wählen Sie das Betriebssystem Ihres Geräts und laden Sie das CRS herunter. Wenn der Download abgeschlossen ist, können Sie den schriftlichen Lizenzcode in der neuen Installation über die Option 'CRS-Lizenz aktivieren' eingeben. Die neue App ist fertig! Für Benutzer einer "Site-Lizenz" empfehlen wir Ihnen, sich mit Ihrer IT-Abteilung in Verbindung zu setzen.

VORSICHT FÜR BENUTZER VON iOS: Wenn Sie dieses Update nicht installieren, funktioniert Ihre CRS-Installation für iOS-Geräte nach dem 22. Februar 2019 nicht mehr!

 

DIE ABTEILUNG UNFALLANALYSE VON RENAULT
Die Abteilung Unfallanalyse bei Renault hat mehr als 500 Mitarbeiter. Dieser Zweig bekommt wöchentlich eine Tabelle vom Justizministerium mit allen Meldungen von Verkehrsunfällen in ganz Frankreich. Aus dieser Liste werden schwerere Unglücke ausgewählt (mit Schwerverletzten/Toten), bei denen ein Renault dabei war. Danach macht sich ein Team an die Arbeit und analysiert den Unfall. Außerdem werden Unfalldaten gesammelt.

Während des ersten Schrittes werden alle losen Teile wieder dort angebracht, wo sie hingehören. Danach werden von 8 unterschiedlichen Positionen aus Fotos vom Fahrzeug gemacht (Vorder- und Rückseite – beide Seiten – aus jeder Ecke).

 
Abbildungen: Teile werden nach einem Unfall wieder dort angebracht, wo sie hingehören

Danach wird das betroffene Fahrzeug anhand von ca. 200 Punkten mit einem unbeschädigten Fahrzeug desselben Typs verglichen. Alle erhaltenen Informationen werden in einer Datenbank gespeichert. Eine andere Aufgabe des Teams ist die Inventarisierung von Verletzungen bei den Betroffenen. Dafür werden zusätzliche Fotos von Besonderheiten gemacht, wie zum Beispiel Lippenstift auf einem Airbag, Aufprallspuren und beschädigte Autogurte. Aus dem Abdruck des Lippenstiftes und den Verwundungen der Verunfallten ergibt sich, dass der Airbag im richtigen Moment und der richtigen Höhe aktiviert wurde (siehe unten).

 
Abbildungen: Aktivierter Airbag mit dem Abdruck eines Lippenstiftes

Weitere Besonderheiten: Aufprallspuren. Renault Mégane von hinten angefahren. Fahrer ist seinen Verletzungen erlegen.


Abb. 1: Der Schaden an der Rückseite des Fahrzeugs ist erheblich


Abb. 2: Durch den Aufprall ist die Rückenlehne abgebrochen

 
Abb. 3 und 4: Das Unfallopfer hat u. a. schwere Verletzungen an Kopf und Nacken erlitten, da es mit dem Dach kollidiert ist


Abb. 5: Delle auf dem Dach durch die Kollision mit dem Kopf des Opfers

Auch durch die Körperlänge des Opfers (1,95 Meter) und den Aufprall hat das Opfer schwere Verletzungen an Kopf und Nacken erlitten, an denen es erlegen ist. Wenn das Opfer kleiner gewesen wäre, hätte es diesen Unfall vermutlich überlebt.

Durch diese Analysen verfügt Renault zurzeit über eine Datenbank mit mehr als 18.000 Fahrzeugtypen und 32.000 Unfallopfern. Dadurch hat Renault ein gutes Bild davon, welche Unfälle am häufigsten vorkommen und welcher Schaden zu welchen Verletzungen führt. Doch man weiß auch, dass Unterschiede bei Verletzungen durch Alter, Gewicht und Länge von Verunfallten entstehen können. Auch die Position des Opfers im Fahrzeug führt zu Unterschieden. Heutzutage schenkt die Abteilung Unfallanalyse Unfällen besonders viel Aufmerksamkeit, bei denen elektrische Fahrzeuge betroffen sind. Elektrische Fahrzeuge sind an anderen Stellen verstärkt als „normale“ Fahrzeuge und sind viel schwerer. Dabei fällt auf, dass dadurch ein anderer Unfallmechanismus entsteht.

Analytiker sind zum folgenden Schluss gekommen:

  • Bei elektrischen Fahrzeugen fällt der Strom bei Unfällen, die bei geringer Geschwindigkeit geschehen, nicht aus

  • Wegen der Abwesenheit der Feuerwehr bei derartigen Unfällen werden diese Fahrzeuge nicht gesichert

WICHTIG! Auch stellte sich heraus, dass der Service-/Notfall-Deaktivierungsschalter bei elektrischen Fahrzeugen kaum jemals benutzt wird. Bei einigen der untersuchten Renault Zoës war dies vor allem deshalb der Fall, weil sich dieser Notschalter vor dem Beifahrersitz befindet, und dies ist gerade der Platz, auf den sich Rettungskräfte bei einer Rettungssituation setzen. Man will die Rettungskräfte ja auch nicht behindern, nur um an den Notfallschalter zu kommen.


Abbildung: CRS Abbildung Renault Zoë. Service-/Not-Deaktivierungsschalter vor dem Beifahrersitz

BITTE BEACHTEN! Ein anderes Ergebnis der Analytiker war, dass die Airbags nicht immer aktiviert werden. Nicht mal dann, wenn der Aufprall ausreichend stark war, um einen Airbag zu aktivieren. Außerdem werden Airbags kaum jemals bei einem Auffahrunfall aktiviert.

 
Abbildungen: Frontalzusammenstoß mit großem Schaden, es wurden keine Airbags aktiviert

Das Fahrzeug hat den Unfall nicht erkannt, sonst wären die Airbags aktiviert worden. Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Antrieb in dieser Situation noch eingeschaltet ist.


Abbildung: Infoseite CRS Deaktivierung Renault Zoë

 

DIE QUO VADIS-STUDIE
In dieser Studie wurde der Zusammenhang zwischen der jetzigen Unfallanalyse und der Anwendung der passenden Triage bei Verkehrsopfern unter die Lupe genommen. Alle betroffenen Rettungsdienste (sogar Bergungs- und Pannenhilfe) arbeiteten im Zeitraum 2015-2017 mit.

Ergebnisse der Studie
Es gibt größere Klarheit über den Zusammenhang zwischen der derzeitigen Unfallanalyse und der Anwendung der passenden Triage bei Verkehrsopfern. Die aus dieser Studie gesammelten Daten wurden den Daten der Unfallanalytiker von Renault in einer Meta-Analyse hinzugefügt. Dabei stellte sich heraus, dass es einen großen Unterschied zwischen den zu erwartenden und den tatsächlich festgestellten Verletzungen gibt. Dadurch werden die Verletzungen regelmäßig unterschätzt, was letztendlich zu Unter-Triage führt.

 

  • Unter-Triage: Ein zu niedriges Versorgungsniveau anwenden, zum Beispiel einen Verunfallten mit schweren Verletzungen zu einer Klinik transportieren, die nicht die passende Versorgung leisten kann
  • Über-Triage: Ein zu hohes Versorgungsniveau anwenden und den Verunfallten überzuversorgen

Es hat sich herausgestellt, dass in der Praxis wiederholt eine unkorrekte Triage stattfindet. Außerdem wurde festgestellt, dass die Rettungseinsätze in vielen Fällen zu lange dauerten.

WICHTIG! Renault und andere Fahrzeugfabrikanten werden immer versuchen, Fahrzeuge so sicher wie möglich zu machen, doch Unfälle können sie nicht ausschließen. Darum haben sie eine wichtige Empfehlung für die Rettungsdienste. Die Rettungs- und Befreiungstechniken sollten sich mit den Entwicklungen moderner Fahrzeuge mitentwickeln; außerdem sollten Fahrzeuginformationen, die zu besseren Rettungseinsätzen beitragen, ständig auf dem neuesten Stand sein. Das gilt auch für die medizinische Versorgung.

 

WEITERES
Im nächsten Newsletter gibt es mehr Neuigkeiten über diesen Kongress. Außerdem beschäftigen wir uns mit den Entwicklungen auf dem Gebiet der Crashtests und Crash-Dummies.

Neugierig? Behalten Sie uns im Auge!